Normalerweise ist bei uns auf dem Hof täglich Trubel: Unsere Hühner rennen hinaus, picken, scharren, halten ihre gefiederten Teambesprechungen ab und genießen die Sonne. Doch dieses Jahr ist alles anders.
Seit kurzer Zeit heißt es: die Vogelgrippe ist unterwegs, und mit ihr kommt die Stallpflicht.
Wenn das Gesundheitsamt ruft: Umbau, bitte!
Für uns bedeutete das natürlich nicht einfach Türen zu und fertig. Auf einem Lebenshof, wo Tierwohl an erster Stelle steht, ist „Stallpflicht“ gleichbedeutend mit Großbaustelle.
Wir haben Wände versetzt, Häuser verbunden, Dächer gezogen, Netze gespannt – kurz: Wir haben ein richtiges Hühner-Indoor-Paradies gebaut. Und das größtenteils aus übrig gebliebenem Material wie alte Planen und nicht mehr gebrauchte Häuschen!
Die Hühner finden’s … na ja, mittel. Freigang ist nun mal einfach unschlagbar. Aber immerhin: In ihrem neuen „Vogelgrippen-Resort“ haben sie genug Raum zum Scharren, Gackern und Sandbaden.

Warum gibt’s diese Vogelgrippe eigentlich ständig?
Die Geflügelpest (offiziell: hochpathogene aviäre Influenza) begleitet uns leider seit Jahren – und sie scheint sich immer hartnäckiger zu halten.
Früher waren Ausbrüche saisonal und vor allem bei Wildvögeln zu finden. Heute jedoch breitet sich das Virus fast ganzjährig und weltweit aus.
Ein wichtiger Grund dafür liegt in der industriellen Massentierhaltung:
- In riesigen Geflügelställen leben Tausende Tiere auf engstem Raum – perfekte Bedingungen, damit sich Viren blitzschnell vermehren.
- Durch diese hohe Dichte und ständige Viruszirkulation entstehen immer wieder neue Mutationen, die teils gefährlicher oder widerstandsfähiger sind.
- Hinzu kommt, dass in vielen Ländern Antibiotika routinemäßig in der Tierhaltung eingesetzt werden. Das betrifft zwar Bakterien, nicht Viren – aber das Prinzip ist ähnlich: Mikroorganismen lernen, sich anzupassen. So entstehen resistente Keime und besonders stabile Virusstämme, die schwer zu bekämpfen sind.
- Und durch den weltweiten Handel mit Geflügel und Eiern reisen die Erreger schnurstracks einmal um den Globus
So kommt es, dass auch kleine Lebenshöfe wie unserer von diesen Auflagen betroffen sind – obwohl hier alles getan wird, um Krankheiten vorzubeugen und die Tiere gesund zu halten.
Die Ironie des Ganzen
Das eigentlich Tragische (und ja, auch ein bisschen absurd) ist:
Die Vogelgrippe entsteht und verbreitet sich hauptsächlich durch die industrielle Tierhaltung – aber am Ende sind es oft die kleinen Höfe und privaten Halter*innen, die ihre Tiere einsperren müssen.
Während unsere Hühner also brav im erweiterten „Wohnzimmer“ bleiben, laufen anderswo Millionen Tiere in großen Anlagen Gefahr, sich gegenseitig anzustecken – ein Kreislauf, der sich jedes Jahr wiederholt.
Die Situation zeigt sehr deutlich, dass unser Umgang mit Tieren dringend ein Umdenken braucht.
Solange Tiere in der Landwirtschaft als Ware behandelt werden, bleibt das Risiko hoch, dass neue Krankheiten entstehen – für sie und letztlich auch für uns Menschen.
Denn auch das ist Fakt: Die Vogelgrippe kann in seltenen Fällen auf den Menschen überspringen. Je mehr Mutationen entstehen, desto größer wird dieses Risiko.

Und jetzt?
Wir hoffen natürlich, dass die Stallpflicht bald aufgehoben wird und unsere Hühner wieder die Sonne auf ihren Kämmen spüren dürfen.
Bis dahin kümmern wir uns darum, es so angenehm wie möglich zu gestalten, da gibt es trotz den Einschränkungen ausreichend Möglichkeiten: Gemüse/Obst aufhängen, Kräutertöpfe, Hühnerschaukeln oder Klettertürme!
Danke an alle, die mitfühlen, mithelfen und unsere Arbeit unterstützen.
Solche Zeiten sind anstrengend – aber sie zeigen uns auch, warum Lebenshöfe so wichtig sind: weil jedes Tier zählt, jedes Leben Bedeutung hat und Mitgefühl der beste Schutz ist, den wir bieten können.