Anam Cara

Auf unserem Lebenshof finden Tiere Schutz, die in unserer Gesellschaft oft nur als Nutztiere gesehen werden. Wir möchten ihnen ein Leben in Freiheit und Würde ermöglichen – frei von Erwartungen, Druck oder Ausbeutung. Dazu gehört auch, dass wir auf das Reiten von unseren Pferden verzichten.

Viele Menschen verbinden das Reiten mit Harmonie, Partnerschaft und Liebe zum Tier. Doch so romantisch diese Vorstellung ist – aus Sicht der Tiere sieht die Realität oft anders aus. In diesem Beitrag möchten wir erklären, warum Reiten nicht zu unserer Philosophie passt – und warum wir glauben, dass echter Respekt vor dem Tier auch bedeutet, es nicht zu reiten.

Pferde sind Fluchttiere – keine Reittiere

Pferde sind von Natur aus Fluchttiere. Ihre Überlebensstrategie in freier Wildbahn basiert darauf, bei Gefahr sofort das Weite zu suchen. Diese sensible und reaktionsschnelle Natur macht sie für den Menschen zwar „formbar“, doch genau das ist auch der Grund, warum sie so oft missverstanden werden.

Das Reiten erfordert, dass das Tier unter Kontrolle gebracht wird – sei es durch Ausbildung, Druck, Gehorsam oder Zwangsmittel. Doch für das Fluchttier Pferd bedeutet das in vielen Fällen Stress, auch wenn es äußerlich „brav“ erscheint. Die feine Kommunikation, die Pferde untereinander pflegen, lässt sich nicht mit Reitkommandos, Ausrüstungen oder Dominanz ersetzen.

Die Anatomie des Pferdes – nicht zum Tragen gemacht

Ein weitverbreiteter Irrglaube ist, dass Pferde „zum Reiten gemacht“ seien. Doch ein Blick auf ihre Anatomie zeigt etwas anderes.

Der Pferderücken ist äußerst sensibel und nicht dafür gedacht, dauerhaft Gewicht zu tragen – schon gar nicht das eines Menschen. Die Wirbelsäule eines Pferdes ist ziemlich empfindlich. Studien zeigen, dass selbst bei idealem Reitergewicht und perfektem Sitz Druckstellen, Muskelverspannungen und langfristige Schäden entstehen können – auch mit Sattel. Ob das Reiten für das Pferd schmerzlos ist oder nicht, lässt sich nicht zweifelsfrei feststellen. Sie können die Überbelastung aushalten, auch über mehrere Jahre, aber irgendwann kommt es zur Tragerschöpfung.

Besonders problematisch wird es, wenn das Tier jung, krank oder nicht ausreichend trainiert ist. Und leider ist das bei vielen Reitpferden der Fall.

Zügel, Trense & Co. – Hilfsmittel oder Zwangsmittel?

Viele Reitstile setzen auf sogenannte Hilfsmittel wie Trensen, Gebisse, Sporen oder Ausbinder. Was auf den ersten Blick technisch oder neutral klingt, ist in der Realität oft mit erheblichem Druck oder Schmerz verbunden.

Eine Trense beispielsweise wirkt direkt auf das empfindliche Maul des Pferdes – ein Bereich mit vielen Nerven und Schleimhäuten. Schon leichter Zug kann unangenehm oder schmerzhaft sein. Bei stärkerem Druck wird der Schmerz zur Methode, um „Gehorsam“ zu erzwingen. Auch andere Hilfsmittel üben Zwang aus, selbst wenn sie unter dem Deckmantel der „Kommunikation“ verkauft werden.

Auf unserem Hof möchten wir Tieren nicht sagen, wo es langgeht – sondern ihnen zuhören, wohin sie wollen.

Beziehung auf Augenhöhe – statt im Sattel

Für uns beginnt wahre Tierliebe dort, wo Nutzen und Erwartungen enden. Wir wollen keine „braven“ Reittiere, sondern selbstbestimmte Lebewesen, die mit uns in Verbindung treten dürfen – wenn sie möchten. Das bedeutet: keine Trense, kein Sattel, kein Zwang. Stattdessen beobachten, lernen, begleiten. Wir erleben täglich, wie tief und echt die Beziehung zu einem Pferd sein kann, wenn wir nichts von ihm wollen außer seiner Gesellschaft.

Ein Spaziergang an der Seite eines Pferdes, gemeinsames Grasen oder einfaches Zusammensein auf der Weide – das sind für uns die schönsten Formen der Verbindung.

Wir wissen, dass dieser Blick auf das Reiten nicht jedem gefällt oder vertraut ist. Doch auf unserem Lebenshof ist das Tier kein Mittel zum Zweck. Es ist ein fühlendes Wesen mit eigenen Bedürfnissen, Grenzen und Rechten. Wir vertreten die Meinung, dass unsere Ponys glücklicher sind, wenn sie nicht geritten werden, denn das Reiten ist eine menschliche Erfindung, die für unsere Pferde keinen Sinn hat und einfach kein Bestandteil unserer gelebten Pferd-Mensch-Beziehung ist. Es ist wie mit jedem anderen Tier mir dem wir hier leben: Es gibt keinen Leistungsanspruch, höchstens gemeinsames Spielen, Bewegen und Spazierengehen. Die Pferde sind ihrer selbst wegen liebens- und lebenswert! Sie müssen nichts leisten und auch nichts können!

Reiten mag Tradition sein – aber für uns ist Respekt wichtiger als Romantik. Wir möchten zeigen, dass es auch anders geht: tierfreundlich, achtsam und ehrlich. Unsere Pferde haben nicht die Aufgabe, uns glücklich zu machen oder uns die Freizeit schöner zu gestalten. Wir sehen sie ob groß, ob klein, ob alt, ob jung, ob gesund, ob krank, reitbar oder unreitbar als einzigartige Individuen, die es verdient haben, ein pferdegerechtes Leben zu führen, indem ihr Wert nicht angezweifelt wird. Denn sie sind alle für sich wunderbar und unersetzlich!

Und das zu zeigen, haben wir uns als Lebenshof zur Aufgabe gemacht!

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